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Soziologie der Politik bzw. Politische Soziologie beschäftigt sich mit den soziologischen Grundlagen des Politischen und den politischen Implikationen von Gesellschaftlichkeit sowie den daraus resultierenden Wechselverhältnissen. Im Zentrum der Politischen Soziologie stehen deshalb Aspekte wie Macht und Herrschaft, soziale Ungleichheit, Konflikt und Gewalt. Es sind diese Phänomene und ihre vielfältigen Implikationen, die zentral für die Ordnungs- und Integrationsproblematik von Gesellschaften sind, die konsensuelle oder konfliktive Politikmodelle konstituieren und Integrations- wie Desintegrationsprozesse in Staat, Gesellschaft und Politik befördern oder heraufbeschwören. Denn von der konkreten gesellschaftlichen Ausgestaltung dieser Phänomene hängt nicht nur die Verfassung der Ungleichheit (also z.B. die Ausgestaltung von Wohlfahrtsstaatlichkeit oder die spezifischen Regulationsformen des Sozialen) ab, sondern über Partizipations- und Teilhabechancen auch die Legitimität einer politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Ordnung und ihrer jeweiligen Eliten. In einer Zeit der beschleunigten Globalisierung verschärft sich die Integrations- und Ordnungsproblematik moderner Gesellschaften noch dadurch, dass viele der herkömmlichen Integrationsbedingungen untergraben werden, globale Integrationsmuster aber (noch) nicht an ihre Stelle getreten bzw. bisher gar nicht erkennbar sind. Vielerorts entstehen deshalb sozioökonomische Krisenprozesse und politische Konflikte aus der bislang unzureichenden Passförmigkeit der alten Strukturen mit den neuen Verhältnissen.

Der Arbeitsbereich der Professur für Politische Soziologie an der Bergischen Universität Wuppertal beschäftigt sich auf der Grundlage sozialtheoretischer und sozialstruktureller Erkenntnisse in empirischer Hinsicht mit grundlegenden gesellschaftlichen Problemlagen und aktuellen politischen Prozessen und Phänomenen. Dabei werden Macht- und Herrschaftsphänomene, soziale Konflikte und Gewalt in einer historisch-soziologischen und international vergleichenden Perspektive behandelt, um die konfliktgenerierenden Ungleichheitsmuster auch in anderen Gesellschaften (z.B. in Lateinamerika) oder vor dem normativen Horizont einer Weltgesellschaft zu behandeln. Eine solch vergleichende Perspektive ist nicht zuletzt nützlich, um vorschnellen Verallgemeinerungen von soziologischen Aussagen, Hypostasierungen bestimmter Entwicklungsfortschritte oder Singularitätsannahmen in Bezug auf spezifische gesellschaftliche Entwicklungen oder den sozialen Wandel zu entgehen und den politisch-soziologischen Blick zu schärfen.

 

Einführende Literatur:

Böhnisch, Lothar (2006): Politische Soziologie. Eine problemorientierte Einführung, Opladen.

Bottomore, Tom (1983): Politische Soziologie, Stuttgart [engl. Orig. Political Sociology, 1979, London].

Nash, Kate / Scott, Allan (Eds.) (2004): The Blackwell Companion to Political Sociology, Oxford.

Scott, Alan / Nash, Kate / Smith, Anna Maria (Eds.) (2009): New Critical Writings in Political Sociology, 3 Vols., Farnham.

Trotha, Trutz von (2010): Soziologie der Politik: Akteure, Konflikte, Prozesse, in: Georg Kneer / Markus Schroer (Hrsg.): Handbuch Spezielle Soziologien, Wiesbaden, S. 491-508.